Echt oder Falsch

Wir wissen heute mehr über mögliche Schüler, Kopisten und Nachfolger Kauffmanns noch zu Lebzeiten der Künstlerin. Unter den jungen Künstlern, die Kauffmann in Rom förderte und anleitete, ragt der lombardische Künstler Giovanni Battista Dell’Era (1765-1799) hervor, dessen Kopien und Werke in Kauffmanns Manier bislang zu wenig bekannt sind [Bibliographie].

Eine Ölskizze „Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn“ wurde von Wendy W. Roworth Angelika Kauffmann zugeschrieben (Abb. 43, 44).

Auf Grund stilistischer und maltechnologischer Kriterien hat Bettina Baumgärtel sie Angelika Kauffmann abgeschrieben und Giov. Batt. Dell’Era zugewiesen.

Die fragliche Zuschreibung an Kauffmann führte zu Fehlinterpretationen für die Genese des Werkes, da die Ölskizze Dell’Eras als Vorstufe zum ausgeführten Gemälde angesehen wurde. Hier handelt es sich jedoch nicht um einen Bozzetto zum berühmten Auftrag Kaiser Josephs II., d.h. eine Vorstufe vor der Ausführung ins große Format, sondern um eine Kopie von fremder Hand, eben der Hand Dell’Eras. Der Künstler wird vermutlich nach der Ölstudie Kauffmanns kopiert haben, die sich damals noch in ihrem Atelier befand und später vom Innsbrucker Landesmuseum aus dem Nachlass der Künstlerin erworben wurde. Die zwei ausgeführten, großformatigen Historienbilder für den österreichischen Kaiser sind 1945 im Führerhauptquartier in Berlin verbrannt.

Abb. 43 G. B. Dell’Era nach Kauffmann: Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn, New York, Kunsthandel © Bettina Baumgärtel, Archiv
Abb. 43 G. B. Dell’Era nach Kauffmann: Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas
Abb. 44 Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn, Ölskizze, 1785, Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Inv. Nr. Gem 298 © Foto Tiroler Landesmuseen
Abb. 44 Aeneas trauert um den von Turnus getöteten Pallas, Evanders Sohn, Ölskizze, 1785